Zum berechnen der Schärfentiefe (Tiefenschärfe) benötigst Du einige Werte und eine handvoll mathematische Formeln. Richtig angewandt erhältst Du zumindest einen Näherungswert.

In der kreativen Fotografie ist es nicht ganz unwichtig etwas über die zu erwartende Schärfentiefe zu wissen. Und die Schärfe bzw. die Schärfentiefe (und damit auch den Verlauf der Unschärfe) im Foto kannst Du selbst berechnen. Das erfordert allerdings so einiges an Kopfrechnen, oder aber Du nutzt meinen kleines Tools zur Berechnung der Schärfentiefe. Füttere den Rechner mit den benötigten Angaben und er rechnet dir alle interessanten Werte aus. Beachte aber, dass das Ergebnis nur einen Näherungswert zeigt!

Für den Rechner benötigst Du die folgenden Faktoren bzw. Werte:

  • die Entfernung zum Objekt
  • die Brennweite
  • die Blende
  • der Sensor bzw. seine Größe(z.B. Vollformat oder ein Crop) Informationen zu dem Sensor deiner Kamera findest Du ganz sicher im Handbuch zur Kamera

Weitere Informationen bzgl. des Näherungswertes und zum Thema Schärfentiefe findest du weiter unten nach dem Schärfentieferechner.

Was ist denn eigentlich die Schärfentiefe?

Ein optisches System wie deine Kamera kann immer nur eine Ebene tatsächlich scharf abbilden. Das ein Foto also durchgehend von „vorne bis hinten” scharf ist bzw. sein kann, ist leider nur ein Trugschluss.

Berechnen der Schärfentiefe

Schärfentiefe / Tiefenschärfe berechnen macht Sinn

Und bei der Schärfentiefe geht es nur um den Bereich eines Fotos, der vom Betrachter noch als scharf wahrgenommen wird. Und zwar um den Bereich vor und hinter der sogenannten Schärfeebene. Diesen Effekt kannst Du zum Beispiel zum freistellen von Objekten anwenden. So kannst Du dafür sorgen, dass sich der Hintergrund (und auch der Vordergrund) in der Unschärfe befindet und damit unscharf abgebildet wird (hierbei geht es um die objektive Wahrnehmung der Unschärfe). Und dein Motiv wird so richtig schön scharf im Bild dargestellt. Ganz so wie bei meinem Beispiel mit dem Klavier. Derart eingesetzt erzeugt die Schärfentiefe eine besondere Tiefe bzw. Tiefenwirkung im Bild. Und so abgebildet bilden die Blüten ein schön abgegrenztes Motiv. So erreichst Du mit einem kleinen Stilmittel eine große Wirkung.

Im allgemeinen (deutschem) Sprachgebrauch wird die Schärfentiefe manchmal auch mit dem englischen Begriff benannt: Depth Of Field oder kurz DOF

Durch die Kombination der Blende, der Brennweite, der Entfernung zum Objekt und dem Sensor bzw. dessen Größe entsteht dieser Effekt mal ausgeprägter oder mal weniger ausgeprägt. Das ganze ist dann doch eine etwas komplizierte Berechnung. Die Blende und die Brennweite lassen sich noch an der Kamera bzw. am Objektiv ablesen. Die Sensorgröße kennst man oder schlägt sie im Handbuch zur Kamera nach. Bleibt die Entfernung, die muss man tatsächlich messen oder schätzen.

Die Ausdehnung der Schärfentiefe kannst Du mit der Blende noch am stärksten beeinflussen. Hier gilt folgende Faustregel:

Je kleiner die Blende bzw. die Blendenzahl (also je größer die Blendenöffnung), desto größer ist der Grad der Schärfentiefe. Ober anders ausgedrückt: Desto kleiner ist der Bereich im Bild der als Scharf erkannt wird.

Das gilt natürlich auch im umgekehrten Fall. Je größer die Blende bzw. die Blendenzahl (also je kleiner die Blendenöffnung), desto geringer oder kleiner ist der Grad der Schärfentiefe. Die Ausdehnung der Unschärfe ist also deutlich größer bei einer möglichst weit geöffneten Blende.

Aber wie kommt nun Schärfe in den Hintergrund? Soll der Hintergrund tatsächlich mehr schärfe erhalten oder doch zumindest annähernd Scharf dargestellt werden, dann muss die Blende geschlossen werden (große Blendenzahl). Für mehr schärfe im Hintergrund muss dann natürlich noch die Brennweite und die Entfernung passen.

Und mit dem nachfolgenden Formular kannst Du die Schärfentiefe / Tiefenschärfe berechnen.

Schärfentiefe / Tiefenschärfe berechnen

Warum nur ein Näherungswert?

Und warum gibt der Rechner nur einen Näherungswert als Ergebnis aus? Nun, die Berechnung der Schärfentiefe kann nur dann exakt erfolgen, wenn die Berechnung anhand eines komplett vorgegebenen Kamerasystems mit festen (mechanischen/optischen) Dimensionen vorgenommen wird. Und da spielen beispielsweise die Objektive eine nicht unerhebliche Rolle. Das 50mm-Objektiv (feste Brennweite) von Hersteller A hat möglicherweise andere relevante Eigenschaften als ein 50mm-Objektiv von Hersteller B. Ob Innen- oder Außenfokussierung macht ebenfalls einen Unterschied. Weitere Kamerasystemabhängige Werte sind zur Berechnung der exakten Schärfentiefe ebenfalls notwendig, daher können über ein allgemeines Tool nur Näherungswerte berechnet werden. Aber wann wird schon die Schärfentiefe auf den mm genau benötigt?!

Und mal ehrlich, kann man immer Sicher sein, dass eine Blende f8 immer exakt die gleiche Blende (bzw. die gleiche Blendenöffnung / Durchmesser) bei verschiedenen Kameras ist? Oder ob da nicht minimale Unterschiede bestehen, die sich bei einer Berechnung durchaus bemerkbar machen?

Infos zum Ergebnis

  • Schärfentiefe: Eben der Bereich, der vom menschlichen Auge als Scharf wahrgenommen wird
  • Fernpunkt: Die Entfernung vom Objektiv bis zum Ende des Bereiches, der als Scharf wahrgenommen wird
  • Nahpunkt: Die Entfernung vom Objektiv bis zum Anfang des Bereiches, der als Scharf wahrgenommen wird
  • Hinter der Schärfeebene: Der Bereich, der hinter der Schärfeebene als Scharf wahrgenommen wird
  • Vor der Schärfeebene: Der Bereich, der vor der Schärfeebene als Scharf wahrgenommen wird

Der Nah- und Fernpunkt berechnet sich i.d.R. ab der letzten Linse des Objektives. Je nach Bauart eines Objektives bezieht sich diese Entfernungsangabe aber auf einen Bereich in der Mitte des Objektives oder aber von der ersten Linse aus gerechnet.

Wenn Du dich etwas in Mathematik üben möchtest oder einfach mehr Details zum Thema erfahren möchtest, dann kann ich dir den Artikel bei wikipedia.de empfehlen.