Erst kürzlich habe ich wieder eine sehr kontrovers geführte Diskussion verfolgt. Es ging um die Frage ob „richtige” Fotografen ihre Fotos retuschieren oder eben nicht. Solche Diskussionen habe ich auch schon vermehrt selbst geführt und ich kann beide Parteien verstehen. Aber was sind diese beiden Parteien?

Die einen versteifen sich fest darauf, dass ihre Fotos nicht retuschiert werden. Schließlich seien sie Fotografen und keine Bildbearbeiter. Und die anderen verstehen sich beinahe als Gegenteil. Sie bearbeiten grundsätzlich ihre Fotos.

Und irgendwo in der Mitte, sozusagen in der Grauzone, befinden sich Fotografen wie ich es bin. Warum? Weil ich meine Fotos durchaus bearbeite und auch retuschiere. Obwohl ich eigentlich zu ersteren Gruppe gehöre. Ich fotografiere nicht um die Fotos später zu bearbeiten. So schneide ich beispielsweise meine Fotos schon direkt beim auslösen der Kamera und achte auch sonst darauf, das meine Fotos später nicht retuschiert werden müssen. Ich halte es also grundsätzlich so, wie schon der Fotograf Zack Arias meinte:

If you’re saying in your head ‚oh i’ll just fix that later in photoshop‘ stop what you’re doing and slap yourself as hard as you can.

Und damit hat er sowas von recht! Und irgendwie ist dies schon vor langer Zeit zu meiner Devise geworden. Aber, lässt es sich wirklich immer vermeiden? Das retuschieren? Noe, lässt es sich nicht. Jedenfalls nicht immer. Dazu mal ein Beispiel. Dieses Beispiel brachte mich auch dazu, diesen Artikel zu schreiben.

Beispiel für die Bildretusche mit Photoshop

Beispiel für Bildretusche mit Photoshop

Beispiel für die Bildretusche mit Photoshop

Dieses Foto entstand ungeplant während einem meiner Workshops zum Thema Ballett. Ich hatte also keine Gelegenheit die Location entsprechend zu wählen und musste das Foto unter den gegebenen Umständen fotografieren.

Zunächst wollte ich eigentlich nur die Passanten im Hintergrund retuschieren, dann habe ich mich kurzentschlossen auch um einige weitere Dinge gekümmert, die mich im Foto störten. Das Schild an der Hauswand, die Kanaldeckel, der Standfuß für ein Straßenschild und die Mülltonne bei den Passanten im Hintergrund.

Es gab also gute Gründe für eine Bildretusche. Und warum sollte Mann/Frau dann nicht einfach zum Bildbearbeitungsprogramm greifen und das Foto damit aufwerten?

Wenn ich mich an diesem Tag ganz bewusst mit der Ballerina zu einem Shooting verabredet hätte, dann wäre diese Bildidee möglicherweise an einer anderen Location umgesetzt worden, eine Location mit weniger störenden Passanten. Oder ich hätte geduldig abgewartet bis die Passanten aus dem Foto rausspaziert wären. Aber die Mülltonne und die anderen Dinge hätten weiterhin gestört. Also eine andere Location? Ja sicher, wenn möglich. Wenn nicht, dann eben damit leben oder retuschieren. Nur nicht verrückt machen lassen. Einfach mal von der gesteckten Linie abweichen und auch das Zitat von Zack Arias mal kurz aus dem Gedächtnis streichen! Zumal es ja bei der Retusche nicht geblieben ist!

Anpassen der Kontraste & Sättigung

Beispiel für Bildretusche mit Photoshop

Anpassen der Kontraste & Sättigung

Ich gehöre wohl noch zu einer Generation von Fotografen die mit einer Spiegelreflexkamera unterwegs sind und alles im RAW-Format fotografieren. Und somit sind die Fotos zunächst mal etwas „Flach & Flau”. Soll auch so sein, denn ich möchte später entscheiden was aus dem Foto wird bzw. wie es entwickelt wird. Das überlasse ich nicht der Kamera.

Aber ist dies auch schon „bearbeiten” im Sinne der Anti-Bearbeitungs-Fraktion? Geht das für einen „richtigen” Fotografen (oder Fotografin!) schon zu weit?

Meine Meinung

Meine Meinung: Alles Quatsch!

Fotografieren soll Spaß machen, zumindest für all diejenigen, die es als Hobby betreiben! Wer seine Fotos retuschieren mag, der soll es tun. Radieren, stempeln und was weis ich. Und auch die Künstler an den Reglern der RAW-Entwickler wie Lightroom sollen sich ganz einfach austoben.

Aber noch einmal zurück zum Eingang des Beitrgas. Warum ich eigentlich darauf achte, dass meine Fotos nicht mehr groß retuschiert werden müssen (dazu gehört allerdings nicht der Entwicklungsprozess eines Fotos). Der Grund ist einfach. Je stärker ich darauf achte, dass meine Fotos nicht mehr retuschiert werden müssen, desto intensiver gucke ich durch den Sucher bevor ich auslöse! Und so werden Fehler vermieden!