Das Auto-Fokus-System

Kapitel 3 des Fotokurses

Inhalt

1. Alles Scharf oder ist das ein Trugschluß?

Es ist ein Trugschluss. Es ist schlicht unmöglich, ein Foto von vorne bis hinten durchgängig scharf zu fotografieren. Das ist optisch bedingt nicht möglich.

2. Wie kann ich die Schärfentiefe beeinflussen?

Für die Ausdehnung der Schärfentiefe sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen ist es die Größe des Sensors. Zum anderen der Abstand…

3. Selbst bestimmen, was im Motiv scharf dargestellt wird

Wenn Du das Auto-Fokus-System wirklich im Automatik-Modus einsetzt, dann ist die Schärfe im Foto ein Glücksspiel, ich glaube, dass…

4. Die Auto-Fokus-Messfelder

Die Kameras verfügen über sogenannte Messfelder, mit deren Hilfe die Entfernung gemessen wird. Im Vollautomatik-Modus…

5. Messfeld auswählen

Zunächst einmal musst Du deine Kamera so konfigurieren, dass Du dir ein Messfeld manuell auswählen kannst. Dieses kannst Du über…

6. Der Workshop zum Auto-Fokus-System

Sieh dir dazu meinen „hochprofessionellen Versuchsaufbau“ mit den Weihnachtsmännern an. Und entschuldige bitte…

7. Warum nicht einfach das Messfeld in der Mitte nutzen?

Den Gedankengang kann ich nachvollziehen. Warum nicht einfach das mittlere Messfeld auswählen, den Auslöser halb gedrückt halten…

8. Verschiedene Betriebsarten des Auto-Fokus-Systems

Bei den meisten Kameras stehen dir drei Betriebsarten für das Auto-Fokus-System zur Verfügung. Die Bezeichnung der jeweiligen Betriebsarten…

9. Tipps zum Auto-Fokus-System

Manchmal kommt es vor, dass das Auto-Fokus-System nicht richtig arbeitet, einfach nicht fokussieren, also scharfstellen möchte.

Das Auto-Fokus-System

Abb. 1

Abb. 1

Kennst Du das dumme Gefühl dass einen beschleicht, wenn man gerade eben ein richtig gutes Foto geschossen hat und feststellt, dass es entweder komplett unscharf ist, oder aber die Schärfe am falschen Punkt liegt?

So wie bei dem Beispiel mit der Blüte und dem Schmetterling (Abb. 1). Die Blüte ist knackscharf abgebildet, aber leider liegt der hintere Flügel des Schmetterlings im Unschärfebereich. Und bei diesem Motiv hätte gerade dieser Flügel, der so schön im Licht lag, scharf dargestellt werden müssen. Denn das Highlight in diesem Foto ist nicht die Blüte, sondern der bunt schillernde Schmetterling.

Und vielleicht hast Du dich auch schon mal gefragt, wie es die anderen Fotografen hinbekommen, das ein Teil eines Fotos scharf abgebildet wird, und der Rest des Fotos immer mehr in den Unschärfebereich geht? Ähnlich wie bei meinem Beispiel mit der Katze (Abb. 2):

Abb. 2

Abb. 2

Der Fokus-Punkt lag hier auf dem linken Auge der Katze. Der Unschärfeverlauf wurde durch den richtigen Einsatz des Auto-Fokus-Systems und die Wahl der Blende erzeugt.

Wenn Du auf diese Fragen bislang keine zufriedenstellenden Antworten bekommen hast oder Du trotz allen Übens solche Ergebnisse nicht hinbekommst, dann ist die Lektion zum Auto-Fokus-System genau das richtige für dich.

Das Auto-Fokus-System soll für die richtige Schärfe in deinen Fotos sorgen, dass zumindest sollte die Zielsetzung sein. Und die Bezeichnung des Systems – Auto-Fokus – suggeriert, dass alles automatisch funktioniert. Wenn es denn mal so praktisch wäre. Ist es aber leider nicht.

Denn bei falscher oder suboptimaler Nutzung wird das Spiel mit der Schärfe zum reinen Glücksspiel. Gerade bei höherwertigen Kameras wie den Spiegelreflex-Kameras ist die korrekte Anwendung des Auto-Fokus-Systems unabdingbar für optimale Ergebnisse.

Ich stelle Dir die Funktionsweise und die Handhabung des Auto-Fokus-Systems anhand eines Systems vor, wie es in einer DSLR-Kamera, also einer digitalen Spiegelreflex-Kamera, verbaut wird. Das Auto-Fokus-System anderer Kamerasysteme kann in den meisten Fällen ähnlich bedient werden, die Funktionsweise ist oftmals identisch, aber leider nicht immer.

Die Möglichkeiten, die dir eine DSLR-Kamera bauartbedingt in Bezug auf die Schärfentiefe bietet, können bei nicht optimaler Anwendung des Auto-Fokus-Systems schnell zu unbrauchbaren Ergebnissen führen.

Anders bei den Kompakt-Kameras. Hier ist bauartbedingt kaum Spielraum bezüglich der Schärfentiefe und leichte Fehler bei der Fokussierung sind kaum oder nicht erkennbar. Oftmals ist das ganze Foto von vorne bis hinten scharf, ein Unschärfeverlauf nicht oder kaum zu erkennen.

Alles Scharf oder ist das ein Trugschluss?

Abb. 3

Abb. 3

Es ist ein Trugschluss. Es ist schlicht unmöglich, ein Foto von vorne bis hinten durchgängig scharf zu fotografieren. Das ist optisch bedingt nicht möglich. Warum das so ist, dazu komme ich gleich. Es ist aber möglich, ein Foto von vorne bis hinten scharf darzustellen.

Fragen wir uns zuvor, was das fokussieren überhaupt ist. Im Grunde ist es recht einfach zu beantworten. Es ist nichts weiter als eine Form der Entfernungsmessung. Ganz vereinfacht ausgedrückt wird die Entfernung zum Objekt gemessen und das Objektiv auf diese Entfernung eingestellt.

Dazu wird allerdings kein Signal in Richtung Objekt gesendet, wie es beispielsweise bei einem Radar-System der Fall ist. Die Auto-Fokus-Systeme der Kameras arbeiten passiv. Sie verwerten das durch das Objektiv einfallende Licht und senden Signale an das Objektiv, damit dieses auf die entsprechende Entfernung eingestellt wird. Dabei verwenden die Kameras Techniken wie den Phasenvergleich und die Kontrastmessung.

Gut, es wird also eine Entfernung gemessen und das Objektiv darauf eingestellt. Stelle dir die gemessene Entfernung als eine Ebene vor. Ein Foto kann und wird nur auf dieser einen Ebene scharf werden. Die Bereiche davor und dahinter, von der Kamera aus gesehen, sind definitiv unscharf. Aber, es gibt vor und hinter dieser Ebene einen Bereich, der vom Auge als scharf wahrgenommen wird. Und daher entsteht der Eindruck, dass ein Foto über einen größeren Bereich scharf ist, als nur über diese eine Ebene.

Die Skizze veranschaulicht dies (Abb. 4):

Abb. 4

Abb. 4

Der Fokuspunkt ist die Mitte des mittleren Baums. Der Baum wird am Fokuspunkt scharf dargestellt. Dann gibt es den Bereich, der noch als scharf wahrgenommen wird und die zwei Bereiche vor und hinter dem Fokuspunkt, die als unscharf wahrgenommen werden.

Der Bereich, der scharf dargestellt wird, bezeichnet man als Schärfentiefe.

Wie kann ich die Schärfentiefe beeinflussen?

Für die Ausdehnung der Schärfentiefe sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zum einen ist es die Größe des Sensors. Zum anderen der Abstand zwischen der Linse im Objektiv, die das einfallende Licht auf den Sensor projiziert, und dem Sensor. Zusammen mit der Öffnung der Blende ergibt sich ein entsprechender Winkel, in dem das Licht projiziert wird. Und dieser Winkel ist letztendlich entscheidend für die Ausdehnung der Schärfentiefe.

Und was bedeutet das jetzt? Die Größe des Sensors kannst Du nur durch den Erwerb der Kamera bestimmen. Als Regel solltest Du dir merken, je größer der Sensor, desto mehr Freiheit bei der Schärfentiefe hast Du. Das bedeutet im Umkehrschluss, je kleiner der Sensor, desto ausgedehnter ist die Schärfentiefe.

Abb. 5

Abb. 5

Oben siehst Du die Größenverhältnisse unterschiedlicher Sensoren (Abb. 5). Der Unterschied zwischen dem Sensor eines Smartphone zu dem Vollformat-Sensor einer Spiegelreflex-Kamera ist gravierend. Aber auch die Größe der Sensoren bei den Kompakt-Kameras ist nicht zu unterschätzen. Möchtest Du also größtmöglichen Spielraum bei der Schärfentiefe bekommen, dann bleibt dir nur der Griff zu einer Spiegelreflex-Kamera mit einem Vollformat-Sensor.

Aber es ist nicht nur der Sensor, der über die Ausdehnung der Schärfentiefe entscheidet. Grob gesagt ist auch der Abstand des Objektivs zum Sensor mitentscheidend. Und je kompakter die Kameras werden, desto größer ist die pauschale Ausdehnung der Schärfentiefe. Und auch hier liegt die Spiegelreflex-Kamera ganz vorne.

Die Entfernung zum Objekt spielt ebenfalls eine Rolle. Und dabei ist es egal, mit welcher Kamera Du fotografierst, die Entfernung ist immer dieselbe.

Weiterhin entscheidet auch die Brennweite über die Ausdehnung der Schärfentiefe. Und auch hier spielt es keine Rolle, mit welchem Kamera-System fotografiert wird.

Schließlich ist auch die Blende ein wichtiger Faktor. Du solltest dir folgende Regel merken: Je offener die Blende, desto geringer ist die Ausdehnung der Schärfentiefe. Wie sich die Wahl der Blende auf die Schärfentiefe auswirkt, das werde ich später im Workshop zum Auto-Fokus-System erläutern.

Selbst bestimmen, was im Motiv scharf dargestellt wird

Abb: 6

Abb. 6

Wenn Du das Auto-Fokus-System wirklich im Automatik-Modus einsetzt, dann ist die Schärfe im Foto ein Glücksspiel, ich glaube, dass hatte ich schon erwähnt. Nehmen wir als Beispiel das obige Foto (Abb. 6).

Da haben wir den Vordergrund, die Wiese. Dann noch die zwei Ruderboote, die auf einer unterschiedlichen Entfernungsebene liegen. Dann die Insel und die Hügel im Hintergrund. Wenn Du das Auto-Fokus-System im Automatik-Modus betreibst, dann wird die Kamera den Bildausschnitt untersuchen und sich einen Bereich für die Fokussierung auswählen, der starke Kontraste liefert. Das könnte das Schilf in der rechten unteren Bildecke sein, oder eines der beiden Boote, oder die Insel, oder die Hügel oder vielleicht sogar die Wolken. Das Foto wird also an irgendeinem Punkt scharf dargestellt. Denn woher sollte die Kamera auch wissen, was dir im Bildausschnitt wichtig ist beziehungsweise was scharf dargestellt werden soll?

Aber ist das auch der Punkt, der dir wichtig ist? Was möchtest Du denn scharf darstellen? Bei dem obigen Motiv bietet sich das vordere Boot an. Du solltest also die Kamera so einstellen, dass sie die Entfernung zu diesem Boot misst und nicht irgendetwas im Bildausschnitt.

Und dazu bieten die Kameras verschiedene Möglichkeiten. Ich möchte dir die Möglichkeit anhand des Auto-Fokus-Systems einer Spiegelreflex-Kamera vorstellen.

Die Auto-Fokus-Messfelder

Abb. 7

Abb. 7

Die Kameras verfügen über sogenannte Messfelder, mit deren Hilfe die Entfernung gemessen wird. Im Vollautomatik-Modus übernimmt die Kamera die Steuerung dieser Messfelder. Daher auch die Frage, welcher Punkt im Bildausschnitt letztendlich scharf wird. Wenn Du aber auswählen kannst, mit welchem einzelnen Messfeld die Kamera messen soll, dann kannst Du auch ganz gezielt festlegen, an welchem Punkt im Bildausschnitt die Entfernung gemessen werden soll.

Abb. 8

Abb. 8

Oben siehst Du den Bildausschnitt (Abb. 8). Darin soll das vordere Boot scharf dargestellt werden. In diesem Fall könnte das Messfeld ausgewählt werden, dass schon passenderweise auf dem Boot liegt. Die anderen Messfelder habe ich zur besseren Veranschaulichung verblassen lassen.

Mit dieser Auswahl des Messfeldes würde also die Schärfe auf dem Boot liegen, und nicht einfach irgendwo! Ist doch eine klasse Sache, oder?

Ja, ist es. Aber es gibt da noch einiges zu beachten. Manche Kameras bieten keine Messfelder an, sondern nur definierte Bereiche. Das ist häufig bei den Kompakt-Kameras der Fall. Andere Kameras verfügen über mehr als 40 (!) Messfelder, die Du einzeln ansteuern kannst oder aber zu ganzen Gruppen zusammenfassen kannst. Und bei aktuellen System-Kameras kannst Du über das Display jeden Bereich im Motiv als Fokuspunkt definieren!

Über welche Möglichkeiten Deine Kamera auch immer verfügt, Du solltest diese Möglichkeiten des Fokussierens immer ausnutzen und selbst festlegen, wo dein Foto scharf dargestellt wird.

Messfeld auswaehlen

Abb. 9

Abb. 9

Zunächst einmal musst Du deine Kamera so konfigurieren, dass Du dir ein Messfeld manuell auswählen kannst. Dieses kannst Du über das Kamera-Menü erledigen. Wie das bei deiner Kamera einzustellen ist, dass erfährst Du im Handbuch zu deiner Kamera.

Bei vielen Kameras gibt es hierzu allerdings keine Funktion, die Du an oder abschalten kannst. Bei diesen Kameras kannst Du direkt im Sucher oder am Display festlegen, ob ein einzelnes Messfeld genutzt werden soll, oder ob die Kamera alle Messfelder nutzt, also den Automatik-Modus.

Bei den meisten Kameras kann die Messfeld-Auswahl über einen Button aktiviert werden. Bei den Spiegelreflexsystem von Canon ist dieser Button beispielsweise immer rechts oben am Kamera-Gehäuse angebracht (Abb. 9). Das bietet den Vorteil, dass ein einfacher Druck mit dem Daumen die Messfeld-Auswahl aktiviert, während der Fotograf durch den Sucher sieht. Das vermeidet ein störendes absetzen der Kamera vom Auge und es lässt sich einfach ruhiger und flüssiger fotografieren.

Ist die Messfeld-Auswahl aktiviert, dann leuchtet das jeweils ausgewählte Messfeld im Sucher auf und der Fotograf kann sich durch ein drehen am Daumenrad oder am Einstellrad am Auslöser das benötigte Messfeld auswählen. Einige Kameras verfügen anstelle eines Einstellrades Tasten, ähnlich den Cursor-Tasten eines Computers.

Wie auch immer, wichtig ist nur, dass die Messfeld-Auswahl schnell und einfach zu erreichen ist.

Finde doch mal heraus, wie sich die Messfelder an deiner Kamera einstellen lassen.

Der Workshop zum Auto-Fokus-System

Und? Hast Du es herausgefunden? Ich denke, Ja, hast Du. Und deshalb starten wir jetzt mit dem ersten Workshop, es ist an der Zeit, dass Du dich etwas mit der Praxis beschäftigst.

Abb. 10

Abb. 10

Sieh dir dazu meinen „hochprofessionellen Versuchsaufbau“ mit den Weihnachtsmännern an (Abb. 10). Und entschuldige bitte, dass meine Wahl auf die Weihnachtsmänner gefallen ist. Aber meine Frau und mein Enkel waren gerade in Weihnachtsstimmung und ich habe die Gelegenheit genutzt, Beispielfotos für den Workshop zu fotografieren.

Aber ernsthaft, vielleicht kannst Du dir zu dem Workshop etwas Ähnliches aufbauen. Für meine Beispielfotos habe ich die Kamera auf einem Stativ befestigt, damit ich bei jedem Foto denselben Bildausschnitt bekam. Die Weihnachtsmänner habe ich so arrangiert, dass in der Tiefe jeweils ein Abstand von etwa zwanzig Zentimeter zwischen den Weihnachtsmännern entstand. Den seitlichen Abstand habe ich so gewählt, dass ich jeden der drei Weihnachtsmänner mit einem der Messfelder erreichen konnte, ohne die Kamera bewegen zu müssen. Durch den Sucher betrachtet sah das in etwas so aus (Abb. 11):

Abb. 11

Abb. 11

Für den Workshop bereite deine Kamera wie folgt vor:

  • Wähle den P-Modus (Am Wahlrad für die Belichtungsautomatik, gegebenenfalls über das Menü). Was es mit dem P-Modus auf sich hat, das werde ich in einer der nächsten Kapitel erläutern. Allerdings lassen sich die Messfelder nicht in der Vollautomatik ansteuern, daher der P-Modus.
  • Befestige die Kamera, wenn möglich, auf einem Stativ. Alternativ kannst Du auch eine Auflage benutzen, wie Beispielsweise ein dickes Buch.
  • Wähle einen Bildausschnitt in etwa wie in meinem Beispiel (Abb. 12).
Abb. 12

Abb. 12

Jetzt geht es los:

  1. Wähle das Messfeld aus, das auf dem linken Objekt liegt, wie in meinem Beispiel (Abb. 12) zu erkennen ist.
  2. Fotografiere ein erstes Foto und überprüfe, ob die Schärfe auf dem linken Objekt liegt. Das mittlere und das rechte Objekt sollten im Unschärfebereich liegen. Gegebenenfalls wiederhole Schritt 1 und versuche es noch einmal.
Abb. 13

Abb. 13

Weiter geht’s mit dem mittleren Motiv. Wiederhole die Schritte 1 und 2.

Abb. 14

Abb. 14

Und zuletzt das rechte Objekt. Auch hier wiederhole bitte die Schritte 1 und 2.

Im Vergleich habe ich folgende Ergebnisse erhalten (Abb. 15):

Abb. 15

Abb. 15

Du kannst deutlich erkennen, welche Auswirkung der gezielte Einsatz von verschiedenen Messfeldern hatte. Ich konnte, und Du natürlich auch, ganz gezielt festlegen, welcher der Weihnachtsmänner im Bild scharf dargestellt werden sollte. Und diese Technik kannst und solltest Du bei nahezu jedem Motiv anwenden!

Wiederhole den Workshop doch einfach noch einmal und versuchen dabei das jeweilige Messfeld so anzusteuern, dass Du das Auge nicht vom Sucher nehmen musst. Das ist sicherlich zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit etwas Übung und steter Anwendung geht dir die Auswahl des passenden Messfeldes sozusagen ins (fotografische) Blut über. Und ich verspreche dir, deine Fotos werden, was die Schärfe betrifft, schon in kurzer Zeit an Qualität gewinnen!

Warum nicht einfach das Messfeld in der Mitte nutzen?

Abb. 16

Abb. 16

Den Gedankengang kann ich nachvollziehen. Warum nicht einfach das mittlere Messfeld auswählen, den Auslöser halb gedrückt halten, die Kamera auf den gewünschten Bildausschnitt schwenken und dann erst auslösen? So erspart man sich die Auswahl des Messfeldes.

Aufgepasst, jetzt wird es physikalisch! Du erinnerst dich? Durch das fokussieren wird eine Entfernung gemessen und natürlich auch am Objektiv eingestellt. Wenn Du also ein Objekt fokussierst und den Auslöser halb gedrückt hältst, dann ändert sich die gemessene und eingestellte Entfernung nicht. Hört sich zunächst ganz praktisch an. Aber was passiert denn genau beim schwenken der Kamera?

Die Kamera bewegt sich auf einer Achse, gleich einem Zirkel. Sieh dir dazu auch meine obige Skizze an (Abb. 16). Angenommen, Du fokussierst auf ein Objekt bei Punkt 1 (Abb. 16) und schwenkst anschließend die Kamera auf Punkt 2 (Abb. 16), so wandert der Messpunkt durch das schwenken nach hinten. Und dadurch verschiebt sich der Fokuspunkt nach hinten (Abb. 16, 2), die Schärfeebene liegt nach dem Schwenken hinter dem Objekt, auf dem ursprünglich fokussiert wurde. Und das führt in vielen Fällen zu unscharfen Fotos. Zumindest sind die Fotos an der falschen Stelle scharf.

Wenn natürlich die Ausdehnung der Schärfentiefe groß genug ist, dann fällt es nicht auf, aber was, wenn Du nur eine geringe Ausdehnung der Schärfentiefe hast? Besser ist es in jedem Fall, wenn Du zunächst den gewünschten Bildausschnitt festlegst, danach das Messfeld auswählst und dann fokussierst, so dass Du die Kamera nach dem fokussieren nicht mehr bewegen musst.

Sollte es vorkommen, dass kein Messfeld auf dem zu fokussierendem Objekt passt, dann bleibt dir allerdings keine andere Möglichkeit, als die Kamera zu bewegen beziehungsweise zu schwenken. Achte dabei aber darauf, dass Du die Kamera so wenig wie möglich schwenkst.

Verschiedene Betriebsarten des Auto-Fokus-Systems

Abb. 17

Abb. 17

Bei den meisten Kameras stehen dir drei Betriebsarten für das Auto-Fokus-System zur Verfügung. Die Bezeichnung der jeweiligen Betriebsarten kann natürlich von Kamera zu Kamera oder besser gesagt von Hersteller zu Hersteller abweichen, die Arbeitsweise ist aber immer die gleiche:

  • One-Shot – Diese Betriebsart ist die präziseste Messmethode und sollte immer dann angewandt werden, wenn Du statische Motive fotografierst. Also Motive, die sich nicht bewegen.
  • AI-Servo – Wenn Du sich bewegende Motive fotografierst, dann ist diese Betriebsart die richtige Wahl. Das könnte, wie in meinem Beispielfoto (Abb. 17), ein sich auf dich zu bewegender Radfahrer sein oder beispielsweise spielende Kinder. In solch einem Fall sorgt der Servo-Modus dafür, dass der Auto-Fokus solange nachgeführt wird, bis Du auslöst. Im Beispiel mit dem Radfahrer, der sich auf dich zubewegt, verändert sich permanent die Entfernung, es liegt also auf der Hand, dass der Auto-Fokus laufend angepasst werden muss.
  • AI-Focus – Die bequemste der drei möglichen Einstellungen. Das Auto-Fokus-System überprüft, ob sich das Motiv bewegt beziehungsweise überprüft, ob sich die gemessene Entfernung ändert. Das klingt verlockend, ist aber nicht wirklich ideal. Das ständige Prüfen kostet wertvolle Rechenleistung des Prozessors und kann zu einer Auslöseverzögerung und zu einer Ungenauigkeit beim Messen der Entfernung führen.

Setze die Betriebsarten und die Auswahl der Messfelder bewusst ein, so dass das Auto-Fokus-System dich beim fotografieren unterstützt und nicht einfach „irgendetwas“ macht.

Sorge für die passende Schärfe in deinen Fotos, indem Du dich mit dem Auto-Fokus-System deiner Kamera beschäftigst und nutze die Möglichkeiten, die es dir bietet.

Tipps zum Auto-Fokus-System

Abb. 18

Abb. 18

Manchmal kommt es vor, dass das Auto-Fokus-System nicht richtig arbeitet, einfach nicht fokussieren, also scharfstellen möchte. Oder besser gesagt, nicht kann. Du erkennst dies an einem unruhigen hin- und herfahren des Auto-Fokus über den gesamten Fokus-Bereich. Du hast dieses Verhalten sicherlich schon einmal bemerkt.

Das Auto-Fokus-System benötigt Kontraste zur präzisen Scharfstellung, oder genauer gesagt, ohne Kontraste ist ein automatisches fokussieren nicht möglich. Du kannst das gleich mal mit deiner Kamera ausprobieren. Wähle dazu das mittlere Messfeld und versuche auf eine Zimmerwand zu fokussieren. Allerdings auf einen Bereich an der Wand, der keine Kontraste aufweist. Also eine gleichmäßige Färbung hat (Abb. 18, 1). Du wirst feststellen, dass der Auto-Fokus vergeblich versucht, auf die Wand scharfzustellen. Suche dir danach einen Bereich, auf dem ausreichend Kontraste zu finden sind. Vielleicht einen Bereich mit einem Bild oder einem Regal (Abb. 18, 2). Dort wird der Auto-Fokus wieder exakt funktionieren.

Auch ausreichend Licht ist wichtig für ein einwandfreies funktionieren des Auto-Fokus-Systems. Unterschätze daher nicht die vorherrschende Lichtsituation. Auch wenn für dein Auge und Bauchgefühl ausreichend Licht vorhanden ist, kann es für ein präzises funktionieren des Auto-Fokus-Systems schon zu wenig sein. In vielen Fällen wird der Auto-Fokus noch funktionieren, aber leider zu häufig nur ungenau, was zu unscharfen Fotos führt.

Die meisten Kameras können so konfiguriert werden, dass das Auto-Fokus-System sich akustisch durch einen „Beep“ meldet, sobald die Fokussierung erfolgreich war. Du solltest diese Funktion einschalten. Es hört sich vielleicht etwas blöd an, aber auf diese Weise „kommunizieren“ Sie mit dem Auto-Fokus-System und das fokussieren wird wieder etwas weniger zu einem Glücksspiel.

Abschließend noch ein Hinweis zum Auto-Fokus-System in Verbindung zu den Objektiven. Damit der Auto-Fokus richtig funktionieren kann, solltest Du darauf achten, dass Du den Fokusring am Objektiv nicht blockierst. Sieh dir dazu folgendes Beispiel an:

Abb. 19

Abb. 19

Die junge Fotografin macht schon einen professionellen Eindruck (Abb. 19), aber leider blockieren ihr Ringfinger und der kleine Finger den Fokusring. Dadurch kann der Auto-Fokus nicht präzise scharfstellen.

Der Fotograf im folgenden Beispiel fängt es geschickter an (Abb. 20):

Abb. 20

Abb. 20

Seine Finger berühren nur den Ring zum verstellen der Brennweite und der Fokusring liegt frei. Beachte auch, dass manche Objektive es zulassen, dass Du den Auto-Fokus manuell korrigieren kannst. Dabei reicht oftmals eine leichte Berührung des Fokusrings nach dem automatischen fokussieren um eine Unschärfe im Foto zu erzeugen.

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